Rang 17 in Almere (NL) sind der Lohn für ein volles Trainingsjahr
Marienfeld (rob). Als Stefan Gertheinrichs vor 11 Monaten das erste Mal wieder bei der Winterlaufserie in Marienfeld aufschlug, beschäftigte ihn vor allem eine Frage: Kann er mit 36 Jahren nach vielen Jahren Laufpause nochmal an die alten Zeiten über zehn Kilometer anknüpfen?

Seine Bestzeit vom Volkslauf Clarholz (32:30 Minuten) ist immerhin schon 15 Jahre alt. Eine heftige Gewichtszunahme auf einen Spitzenwert von 115 Kilo lag da gerade hinter ihm; ein Tempo von 4:20 pro Kilometer war im Herbst 2025 sein „Max Speed“. Gerthenrichs hatte die Stelle gewechselt und war nach über 12 Jahren in Erlangen zurück in die Heimat gezogen.
Nach intensiven Monaten der Vorbereitung lieferte Stefan Gerthenrichs nun am Samstag ein Ergebnis ab, was er sich vor einem Jahr selbst wohl hätte kaum vorstellen können: der Laufspezialist absolvierte seine erste Triathlon-Langdistanz. Nach 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen stoppte die Uhr im Amsterdamer Vorort Almere nach 8:55:38 Stunden (1:09:13 – 4:34:11 – 3:05:08). Im Feld der 729 „Finisher“ notierte der Athlet von Trispeed Marienfeld damit auf Rang 17.
„Ich wäre gern unter drei Stunden gelaufen“, kommentierte er das großartige Ergebnis, was ausdrückt, dass er noch weitere Ambitionen hat. Die Idee, eine Langdistanz zu machen, sei ihm erst Ende Juni gekommen. Bis dahin hatte er gute Ergebnisse bei einigen Regionalliga-Starts und bei der nightcup-Laufserie hingelegt. „Eigentlich war der Plan, erst nächstes einen Ironman zu machen“, sagt der IT-Fachmann. Für Klagenfurt im Juli 2027 hat er sich bereits angemeldet. Die Challenge Almere war insofern ein Testlauf mit nur dreimonatiger Intensiv-Vorbereitung.
Die lief zunächst ohne Probleme. Während der letzten harten Einheit habe er sich dann aber eine leichte Überlastung an der Knie-Außenseite eingehandelt, weshalb er mit etwas mulmigem Gefühl nach Amsterdam gereist war. „In der letzten Woche konnte ich dadurch nicht mehr viel trainieren und war mir nicht sicher, ob ich das Rennen überhaupt komplett zu Ende laufen kann.“ Sein Plan: durchziehen, bis es nicht mehr geht. Er reiste ein paar Tage vorher an und inspizierte die Örtlichkeiten.
Das Schwimmen, wo er am wenigsten im Training „investiert“ hatte, lief besser als gedacht. Mit 1:09 Stunden aus dem 19 Grad kalten Wasser war er vier Minuten schneller unterwegs als geplant. Ohne Krämpfe wechselte er aufs Rad, wo die erste Stunde dann schwer fiel. „Die Beine haben sich nicht gut angefühlt“, erzählte Gerthenrichs. Dafür konnte er in der zweiten Runde konnte seine Leistung halten. Mit einem Schnitt von fast 40 km/h war der Langdistanz-Rookie allemal zufrieden.
Beim Laufen quälte die Frage, ob das Knie hält. Kleine Schritte machen und nicht zu schnell loszulaufen, war Gerthenrichs Plan, der erfolgreich aufging. „Gerade der Start ist fürs Knie eine hohe Belastung.“ Ab Kilometer 26 sei es nach einem kurzen Stopp zwar „richtig zäh“ geworden. Im hinteren Oberschenkel begannen Krämpfe, das Tempo fiel von vier auf fünf Minuten pro Kilometer.
Er habe sich dann weg von einzelnen Kilometerabschnitten nur noch auf die Zielzeit fokussiert: „Ich wusste, ich muss vor 15:40 Uhr im Ziel sein, um unter neun Stunden zu bleiben“. Als zwei Kilometer vor dem Ziel noch 15 Minuten Restzeit waren, sei die Erleichterung riesig gewesen. „Da wusste ich, das schaffe ich.“ Der Zieleinlauf sei richtig emotional gewesen. „Das hat mich richtig angefasst“, sagte er nach dem längsten Wettkampf seiner Karriere.
Es sei noch Luft nach oben, aber jetzt brauche er zunächst eine Pause, lautete das Fazit.
